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Die Ziegeleitongrube Resse - Blick ins Hauterive


Genehmigung

Genehmigungen werden grundsätzlich nicht mehr erteilt!

U. Frerichs, Stand Dezember 2016


Lage (Abb 1.)


Die Tongrube Resse (TK 2 Garbsen Nr. 3523 R: 3543320 H: 5816540) ca. 12 km nördlich von Hannover in der Wedemark, direkt an der Straße von Engelbostel nach Resse gelegen.
Plan
Abb. 1: Lage der Tongrube Resse an der Landstraße von Engelbostel nach Resse



Stratigraphie (Abb. 2)

Die dunkle Tonfazies erschließt Schichten des unteren Oberhauterive und ist mit einer ganzen Reihe von geringmächtigen kalkigen Konkretionslagen durchzogen, die meistens nesterartig zusammen liegen; es kommen aber auch große Steine vor mit Durchmessern von 50cm und mehr. Die Schichten fallen um ca. 10° von Süd nach Nord. Die Konkretions - und Zwischenlagen sind nach Mutterlose & Wiedenroth 1995/1996 in nummerierte Schichten eingeteilt (gerade Zahlen = Konkretionslagen, s. Abb. 2). Die unterste erschlossene Schicht (Wasserloch) ist die Schicht 86. Aufgeschlossen ist eine rund 22 m mächtige Schichtenfolge, die stratigrafisch der Simbirskites staffi-Zone und den oberen Aegocrioceraten-Schichten zuzuordnen ist (international entspricht dies der Simbirskites inversum -Zone ).


Resse

Abb. 2: Stratigraphie der Grube mit Erklärung der Schichtbezeichnungen (gerade Zahlen = Geodenlagen, ungerade Zahlen = dazwischen liegende Tonschichten; vereinfacht nach Mutterlose et. al.
Fossilien

International berühmt unter Sammlern und Wissenschaftlern wurde die Grube durch die heteromorphen Ammoniten, die in körperlicher Erhaltung in den Konkretionen bzw. Geoden oder Laibsteinen eingebettet sind. Längst nicht alle Geoden enthalten komplette Exemplare: viele bergen nur Bruchstücke oder sind taub. Da sie aber recht zahlreich vorkommen, lassen sich mit entsprechendem Aufwand hervorragende und begehrte Stücke finden bzw. präparieren.

Was das Sammeln von Kleinfossilien auf den Hängen betrifft, so sind die Erfolgsaussichten wesentlich ungünstiger als in der ehemaligen Vorgänger-Grube Engelbostel, die inzwischen vollständig mit Bodenaushub des Flughafens verfüllt ist und keine Sammelmöglichkeit mehr bietet. Nach der Regel, dass viele Sammler auch viel finden können, wurden aber etliche sehr seltene Funde gemacht.

Einzelheiten, insbesondere auch die Beschreibung von Einzelfunden, finden sich in den Mitteilungsheften des APH, siehe dort.

Ammoniten

Neben den heteromorphen Gattungen Aegocrioceras (dominierend) und Crioceratites kommen auch "normal" gewundene Ammoniten der Gattungen Simbirskites und Spitidiscus (sehr selten) vor.

Die Ammoniten liegen oft in kalzitierter Schalenerhaltung vor, das Phragmokon ist meist pyritisiert und mit Zinkblende gefüllt. In den Kammern der größeren Crioceratiten finden sich auch andere Mineralien.

In den Tonlagen zwischen den Geodenlagen kommen plattgedrückte Ammoniten vor, bei denen nur die Wohnkammer körperlich erhalten ist. Diese enthalten hin und wieder eingeschwemmte Brachiopoden und seltener kleine Ammoniten. Der Durchmesser dieser Fossilien beträgt max. 50cm. Dagegen sind in den Geoden nur wesentlich kleinere Exemplare mit Durchmessern von max. um die 20cm zu finden; große Wohnkammern liegen häufig am Geodenrand.

Aegocrioceras (Abb. 3 bis 12) reicht bis in die 96er Schicht hinauf. In den unteren Schichten 86 bis 90 kommen kräftige, eng gewundene und relativ große Vertreter der Art A. capricornu vor. Als besonderes Phänomen werden in diesem Bereich oft unvollständig erhaltene Exemplare gefunden, deren hohle Kammerbereiche oft mit Kalzit und/oder Zinkblendekristallen ausgekleidet sind. In Schicht 92 besteht die größte Formenfülle, u a. mit A. raricostatum. Darüber - bis zum Erlöschen der Art - dominiert die eher kleinwüchsige Art A. spathi.




Abb. 3: Aegocrioceras spathi, Durchmesser 6cm, Schicht 96, Sammlung Frerichs



Abb. 4: Aegocrioceras raricostatum, Durchmesser 12cm, Schicht 92, Sammlung Frerichs



Abb. 5: Aegocrioceras raricostatum, Durchmesser 13cm, Schicht 92, Sammlung Frerichs



Abb. 6: Aegocrioceras capricornu, Durchmesser 16cm, Schicht 88, Sammlung Schulz



Abb. 7: Aegocrioceras capricornu, Durchmesser 13cm, Schicht 88, Sammlung Frerichs



Abb. 8: Aegocrioceras capricornu, nur teilweise erhalten, mit sichtbaren Kammerscheidewänden, Zinkblende-Kristalle, Durchmesser 12cm, Schicht 88, Sammlung Frerichs



Abb. 9: Aegocrioceras sp., Durchmesser 12cm max., Schicht 88, Sammlung Wiedenroth



Abb. 10: Aegocrioceras sp., Durchmesser 14cm., Schicht 88, Sammlung Frerichs



Abb. 11: Aegocrioceras sp., Durchmesser 13,5cm., Schicht 92, Sammlung Frerichs



Abb. 12: Aegocrioceras sp., Durchmesser 15,5cm., Schicht 92, Sammlung Frerichs


Erste Simbirskites (Abb. 13, 14) tauchen bereits in Schicht 96 auf, hauptsächlich S. concinnus und wesentlich seltener S. decheni, darüber setzt dann S. staffi ein (Schicht 100).
Vereinzelt und sehr selten in guter Qualität tritt Crioceratites (hildesiense/nolani) ab Schicht 100 auf. Diese Ammoniten zeichnen sich durch eine starke Bedornung aus. Wie durch vielfältige Aufsammlungen belegt, treten die Gattungen in den hohen Aegocrioceraten-Schichten nebeneinander auf, was wohl auf eine kurzfristige Meerestransgression zurückzuführen ist. Simbirskites ist eindeutig arktisch-borealen Ursprungs und Crioceratites und Spitidiscus sp.(letzterer in Resse mit wenigen, meist kleinen Exemplaren aus den oberen Schichten (ab 102) belegt, (Abb. 15) tethyaler Herkunft. Wohingegen der Ursprung von Aegocrioceras noch nicht geklärt ist. In der Tethys tritt diese heteromorphe Form nicht auf, sie scheint auf den Nordmeerbereich beschränkt zu sein.



Abb. 13: Simbirskites decheni; Durchmesser 8cm, Schicht 98, Sammlung Wiedenroth



Abb. 14: Spitidiscus rotula, Durchmesser 2,2cm, Schicht 100 (?), Sammlung Frerichs


Präparation

Die Präparation der Ammoniten erfordert einiges an Geduld und Geschick, sowie geeignetes Werkzeug. Gute Ergebnisse lassen sich mit Stichelgeräten, rotierenden Diamantschleifern und Sand- bzw. Eisenpulverstrahlen erzielen; auch Schaben mit speziellen Werkzeugen ist möglich, aber noch viel zeitaufwändiger. Im allgemeinen sind die Geoden seltener mit Kalzitadern durchzogen als in den ehemaligen Aufschlüssen bei Haste-Idensen, die zum Ausbau des Mittelland-Kanals erschlossen wurden.

Bestimmung

Die Bestimmung der einzelnen Arten gestaltet sich sehr schwierig, da zum einen keine grundlegende Arbeit darüber besteht. (RAWSON hat zwar das Vorkommen von Speeton an der Ostküste von Yorkshire/England bearbeitet, musste sich dabei aber auf meistens sehr schlecht erhaltene Funde (fragmentarisch, z. T. nur Wohnkammern) stützen. Die von ihm aufgestellten bzw. bestätigten Arten (ROEMER) lassen sich nicht alle in Resse wiederfinden. Zum anderen besteht aufgrund der enormen Formenvielfalt die Vermutung, dass es einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus gegeben hat.


Belemiten (Abb. 15)

Der Leitbelemnit Hibolites jaculoides tritt sehr zahlreich auf, wird aber meist zerbrochen gefunden; mit etwas Finder-Glück im entsprechenden Umfeld können aber die passenden Teile geborgen und geklebt werden. Neben der Form mit erhaltener Taille lassen sich auch abgerollte, sogenannte "Zigarren-Belemniten" bergen.

Abb. 15: Hibolites jaculoides , Länge des rechten Exemplares 13 cm. In der Bild-Mitte als abgerollte "Zigarren"-Belemniten erhalten. Links im Bild pathologisch verformt, Sammlung Frerichs


Muscheln und Austern (Abb. 16)

Hauptvertreter der Bivalven sind Thracia phillipsii und Nucula sp., die in der Regel als Steinkern zu finden sind, seltener pyritisiert und in Schalenerhaltung, oft in Wohnkammer-fragmenten großer Ammoniten enthalten. Auf Ammoniten aufgewachsene Austern werden relativ selten gefunden.

Abb. 16: Thracia phillipsii, Breite 5cm, Sammlung Frerichs


Brachiopoden

Größere unbestimmte Arten kommen fast nur eingeschwemmt in Wohnkammern vor.

Fischreste

Fischreste (Zähne, Wirbel) und Sauriereste sind belegt.

Krebse

Krebse sind durch die Gattungen Mecochirus, Eryma und Hoploparia vertreten.

Schnecken

Schnecken sind, abgesehen von kleinen pyritisierten Fossilien (Turbo sp.), die zahlreich in den Geoden, aber auch isoliert auf den abgeregneten Hängen zu finden sind, als größere Exemplare sehr selten.

Pflanzen

Holzreste sind nicht allzu selten und als Gagat überliefert und fast immer von Bohrmuscheln besiedelt.

Aktuelle Situation (Abb. 17, 18, 19)

Die Grube erbrachte von 1993 bis 2007 eine Fülle von Fossilien.

Im Jahr 2008 wurde die Produktion von Ziegelsteinen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Da für die unbedeutende Herstellung von Teichsteinen (ungebrannt zur Abdichtung von Teichböden) nur relativ geringe Mengen an Ton benötigt werden, fand 2008 kein Abbau mehr statt. Es ist auch sehr ungewiss, ob in Zukunft überhaupt noch wieder Ton abgebaut wird.
Die allermeisten oberflächennahen Geoden wurden von Sammlern (z.T. mit Hilfe von tragbaren Stromgeneratoren und Bohrmaschinen mit meterlangen Bohrern!) ausgegraben. Es bestehen demnach nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten, Ammoniten in Geoden zu finden. Das Sammeln von Kleinfossilien auf den Hängen ist zwar nach wie vor möglich, der Erfolg wird aber immer spärlicher.


Abb. 19: Grube Resse im Juli 2013 (Aufnahme U. Frerichs)



Abb. 17: Ansicht der Grube von Nordwesten her auf die Südwand mit Stand Mai 2008. Deutlich sichtbar sind die Suchgräben zu sehen, die von Sammlern bei der Suche nach Geoden-Nestern angelegt wurden (Aufnahme U. Frerichs)



Genehmigung

Genehmigungen werden grundsätzlich nicht mehr erteilt!

U. Frerichs, Stand Dezember 2016


Resse
In der Grube erfolgt seit Ende 2007 kein Abbau mehr. Die Raupen sind verkauft. Das Wasser wird abgepumpt (behördliche Anordnung, damit kein Biotop entsteht!). Der Ziegeleihof ist aufgeräumt, und es liegt dort noch eine größere Menge an Ton.
Gegen die zahlreichen Sammler, die Hanggrabungen vornehmen, wird seitens des Besitzers nichts unternommen. Es wird aber trotzdem empfohlen, sich in der Ziegelei, Herrn Bodnariuk, eine Sammelgenehmigung zu erfragen. Tabu ist jegliche Schürferei an den Flanken der in die Grube führenden Rampe!
Ob in Zukunft überhaupt noch einmal Ton abgebaut wird, ist z. Zt. zumindest sehr fraglich.
Stand Oktober 2013, U. Frerichs



Literatur